Kurz gesagt: Wer in Österreich eine KI-Companion-App nutzt, ist nicht rechtlos, aber es gibt kein Companion-Gesetz. Die Regeln stecken in der KI-Verordnung der EU, in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), im Jugendschutz und im Verbraucherrecht. Sie ändern wenig an Preisen, aber einiges daran, was die App dir sagen muss und wie sie mit Minderjährigen umgehen darf.
Kein Companion-Gesetz, aber ein Regelwerk
Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 ist der neue Rahmen. Die Verbote nach Artikel 5, etwa für manipulative Techniken oder das Ausnutzen von Schwächen wie dem Alter, gelten seit dem 2. Februar 2025. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten seit dem 2. August 2026: Wer direkt mit einer KI spricht, muss das erfahren. Ebenfalls ab dem 2. Dezember 2026 soll ein neues Verbot von KI-Systemen greifen, die nicht einvernehmliche intime Bilder erzeugen, und für schon am Markt befindliche Systeme beginnt dann auch die Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte. Beides geht auf das „KI-Omnibus“-Paket zurück, das die Fristen der Verordnung teils verschoben hat.
In Österreich ist die Aufsicht noch offen. Österreich hatte seine Marktüberwachungsbehörden nach der KI-Verordnung bei der letzten Prüfung nicht förmlich benannt; Anlaufstelle ist die KI-Servicestelle der RTR. Sie informiert und vermittelt, ist aber keine Aufsichtsbehörde.
Die Datenschutzbehörden sind schon länger aktiv. Die DSGVO gilt für jede App, die Daten von Menschen in der EU verarbeitet, egal wo das Unternehmen sitzt. Zuständig ist in Österreich die Datenschutzbehörde (DSB), eine einzige nationale Aufsicht. Die Rechtsgrundlage sind die DSGVO und das Datenschutzgesetz (DSG).
Ein Blick in die USA zur Einordnung: Dort gab es bis November 2025 kein Gesetz speziell für KI-Companions. Inzwischen haben New York (in Kraft seit dem 5. November 2025) und Kalifornien (SB 243, seit dem 1. Januar 2026) eigene Regeln, und laut einem Tracker der Transparency Coalition sind im Juli 2026 weit mehr als ein Dutzend weitere Bundesstaaten dazugekommen. Auf Bundesebene gibt es kein Gesetz, aber im September 2025 forderte die Handelsbehörde FTC sieben Unternehmen, darunter Character.AI, Meta, OpenAI, Snap und xAI, zu Auskünften über den Schutz von Kindern und Jugendlichen auf. Europa ging einen anderen Weg: nicht über Companion-Gesetze, sondern über Datenschutz, Jugendschutz und die allgemeine KI-Regulierung.

Wann die wichtigsten Regeln gelten. Die Daten sind die Geltungsdaten der jeweiligen Rechtsakte.
Was die Regeln verlangen
Die Vorschriften stammen aus verschiedenen Rechtsgebieten, aber vier Gedanken ziehen sich durch.
- Sag, dass es eine KI ist. Artikel 50 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter, Systeme so zu gestalten, dass Menschen ausdrücklich informiert werden, wenn sie direkt mit einer KI interagieren.
- Schütze Minderjährige. Jugendschutz ist in Österreich Sache der Länder. Der Digital Services Act (DSA) verlangt von Online-Plattformen, die Minderjährigen zugänglich sind, ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz.
- Behandle Daten rechtmäßig und transparent. Ohne Rechtsgrundlage und verständliche Datenschutzerklärung dürfen Apps Gespräche nicht verarbeiten. Du hast das Recht auf Auskunft (Art. 15 DSGVO), Löschung (Art. 17) und Datenübertragbarkeit (Art. 20).
- Achte Verbraucherrechte. Bei Verträgen über das Internet hast du ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen (§ 11 Abs. 1 FAGG). Bei digitalen Inhalten kann es erlöschen, wenn du dem Beginn der Leistung ausdrücklich zugestimmt hast (§ 18 Abs. 1 Z 11 FAGG). Einen gesetzlich vorgeschriebenen Kündigungsbutton wie in Deutschland habe ich für Österreich nicht gefunden.
Wo die Regeln liegen und wer sie durchsetzt
Das ist für die Anbieter der wichtigste Teil und mittelbar auch für dich, denn er entscheidet, wie ernst die Regeln genommen werden.
| Regelwerk | Fundstelle | Gilt seit | Worauf es ankommt |
|---|---|---|---|
| KI-Verordnung, Verbote | Art. 5 | 2. Feb 2025 | Manipulative Techniken und das Ausnutzen von Schwächen sind verboten |
| DSA, Jugendschutz | Art. 28, Leitlinien der Kommission | Leitlinien seit 14. Jul 2025 | Selbstauskunft beim Alter reicht nicht als Altersprüfung |
| KI-Servicestelle der RTR | Information und Anlaufstelle | Benennungsfrist 2. Aug 2025 | Keine Aufsichtsbehörde; Marktüberwachung bei der letzten Prüfung nicht förmlich benannt |
| KI-Verordnung, Transparenz | Art. 50 | 2. Aug 2026 | Hinweis, dass du mit einer KI sprichst |
| Jugendschutz | Landesgesetze | in Kraft | Jugendschutz ist Sache der Länder |
| Verbraucherrecht | § 11 Abs. 1 FAGG | in Kraft | 14 Tage Rücktrittsrecht bei Verträgen über das Internet |
Die Tabelle gibt den Stand von September 2026 wieder. Fristen können sich ändern, wenn ein Rechtsakt angepasst wird.

Die FAQ der KI-Servicestelle der RTR zur Zuständigkeit in Österreich.
Was du davon tatsächlich merkst
- Ein Hinweis oder eine erste Nachricht, dass du mit einer KI sprichst. Bei manchen Apps wiederholt er sich in langen Sitzungen. Das heißt nicht, dass die App dich für verwirrt hält. Es ist eine gesetzliche Untergrenze für alle.
- Die Figur fällt aus der Rolle, wenn etwas nach Selbstverletzung klingt. Eine gesetzliche Pflicht dazu kennen mehrere US-Bundesstaaten, für Österreich habe ich keine gefunden. Viele Anbieter setzen sie aber weltweit um. Die automatische Erkennung kann eine dunkle Szene nicht sicher von einer echten Aussage unterscheiden. Rechne also mit Fehlalarmen. Bei Fiktion reicht oft ein kurzer Hinweis außerhalb der Rolle, dann geht die Szene weiter.
- Mehr Alterskontrollen. Character.AI hat im November 2025 den offenen Chat für unter 18-Jährige abgeschafft und nutzt inzwischen Verhaltenssignale, Verifikation durch Dritte und als Rückfalloption Ausweiskontrollen. Andere Apps gehen in dieselbe Richtung, besonders bei erotischen Inhalten, die für Minderjährige unzugänglich sein müssen.
- Weniger „Ich bin echt, versprochen“-Momente. Eine Figur, die sich hartnäckig als Mensch ausgibt, verstößt gegen den Transparenzgedanken von Artikel 50. Gute Apps stellen das ab.
Entscheidend ist, wo du wohnst, nicht, wo die Firma sitzt: Auch eine App, die von Zypern aus betrieben wird, muss sich an EU-Recht halten, wenn sie sich an Menschen in der EU richtet. Das Beispiel Deutschland zeigt, dass sich das bei Pornoplattformen im Ausland nicht immer leicht durchsetzen lässt: Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat schon Sperren angeordnet und dafür Host-Provider in die Pflicht genommen.
Was die Regeln nicht abdecken
Kein Companion-Gesetz für Inhalte und Persönlichkeit. Wie eine Figur sich verhält, welche Erinnerungen sie behält oder wie lange Chats gespeichert werden, regelt nicht ein Spezialgesetz, sondern die DSGVO. Unsere vier Datenschutz-Checks bleiben dein bestes Werkzeug. Wie du deine Daten anforderst, steht in unserem Ratgeber zur Datenauskunft.
Abrechnung. Abofallen, Guthabenpreise und Rückerstattungen fallen unter das normale Verbraucherrecht. Siehe Rückerstattung und Kündigung.
Die Entscheidungen Erwachsener. Keine der Regeln schränkt ein, was einvernehmlich handelnde Erwachsene mit einem Companion tun dürfen. Die Inhaltsregeln drehen sich um Minderjährige.
Wo du dich beschwerst
Wenn eine App dir Auskunft oder Löschung verweigert, wende dich zuerst schriftlich an den Anbieter. Hilft das nicht, kannst du dich bei der Datenschutzaufsicht beschweren, also bei der Datenschutzbehörde (DSB). Die Beschwerde geht per Online-Formular, E-Mail oder Post und kostet in der Regel nichts. Bei Fragen zur KI-Verordnung hilft die KI-Servicestelle der RTR. Für Streit um Abos sind die Arbeiterkammer, der VKI und die Internet Ombudsstelle die richtigen Anlaufstellen.
Was Europa schon getan hat
Italiens Datenschutzbehörde Garante verhängte gegen Luka Inc., die Firma hinter Replika, eine Geldbuße von 5 Millionen Euro, bekannt gegeben im Mai 2025. Sie stellte fest: keine gültige Rechtsgrundlage für die Verarbeitung, eine nicht transparente Datenschutzerklärung und keine funktionierende Altersprüfung bei einem Dienst, der sich nur an Erwachsene richtete. Dieselbe Behörde hatte im Februar 2023 die Anordnung erlassen, auf die Replikas abrupte Abschaltung der erotischen Rollenspiele folgte. Die Geschichte steht in wenn sich dein KI-Companion über Nacht verändert. Der Fall gilt in der gesamten EU, denn die DSGVO ist überall gleich.
Das praktische Fazit
Die Regeln schützen vor allem Menschen in den schlimmsten Momenten: Minderjährige und alle, die in einer Krise stecken. Für Erwachsene, die eine Companion-App für Gesellschaft oder zum Spaß nutzen, sind die sichtbaren Änderungen klein: ein Hinweis, gelegentlich eine Erinnerung, eine Hilfenummer, wenn eine Geschichte ins Dunkle abgleitet. Die unsichtbare Änderung ist größer. Anbieter tragen inzwischen rechtliche Risiken dafür, wie sich ihre Figuren verhalten. Das macht sorgfältige Apps noch sorgfältiger und nachlässige leichter erkennbar.
Wenn es dir gerade schlecht geht: Die TelefonSeelsorge ist kostenlos und vertraulich rund um die Uhr unter 142 erreichbar. Im Notfall wählst du die 112.